Erinnerungen an Ernst Zumbach

Vergangenen Sonnabend (14. Februar) erfuhr die DRC-Clubfamilie von zwei Ereignissen, die auf den ersten gar Blick nichts miteinander zu tun hatten, auch emotional kamen sie aus völlig unterschiedlichen Richtungen. Erst erreichte uns am Mittag die traurige Nachricht, dass unser Ehrenpräsident Ernst Zumbach verstorben war. Nur Stunden später gab der Landessportbund Niedersachsen dann bekannt, dass Frauke Hundeling und ihr WM-Doppelvierer sensationell und höchst erfreulich zur „Mannschaft des Jahres 2025“ gewählt worden sind. Trauer und Jubel zugleich – im DRC so nah beieinander wie lange nicht mehr.
Dabei wäre ohne das Engagements Ernst Zumbachs über mehrere Jahrzehnte hinweg für unseren Club und den Rudersport der sportliche und der jüngste Publikums-Erfolg von Frauke sicherlich nicht möglich gewesen.
Ehrenamtliche Karriere
Als ich 1983 als Jugendlicher in den DRC eintrat war Ernst Zumbach unser Präsident. Ein typischer Funktionär, dachte ich damals. Denn Ernst konnte bereits auf eine beachtliche ehrenamtliche Karriere zurückblicken: Eintritt in den DRC 1954, dann in Ende der 1960er Jahre zunächst Schatzmeister, dann bald DRC-Vizevorsitzender für die Bereiche Finanzen und Verwaltung, daneben erst Vorstandsmitglied und schließlich Vorsitzender im Hannoverschen Regattaverband, Mitglied des erweiterten Vorstands des Stadtsportbundes als Fachwart Rudern. Im DRC hatte er als Clubchef ab 1974 den Anbau einer Kegelbahn an das Bootshaus durchgesetzt. Eine neue Satzung zementierte ein Jahr nach seiner Amtsübernahme als Präsident auch formal die Gleichberechtigung von Frauen im DRC.
Seiner Zeit voraus
Durch das 100. Jubiläumsjahr 1984 steuerte Ernst den DRC stilvoll, mit einem Ball, teils sehr anspruchsvollen Veranstaltungen und salbungsvoll formulierten Grußworten, in denen er das Leistungsprinzip hochhielt. Das alles sprach den Kopf an und unterschied sich in Inhalt und vom Ton markant von den „Umkleide-Gesprächen“ im Bauch unseres Bootshauses.
Die Kritik an seiner Amtsführung ließ folglich schon damals nicht lange auf Sicht warten: Finanziell ein Hasardeur, der Anspruch zu hochtrabend, intellektuell „eine Umdrehung“ zu viel für einen Sportverein unserer Größe und Güte. Unberechtigt, denn Ernst, nie ein Teilnehmer flüssiger „Vorstands-Nachbesprechungen“ an Theken und Tresen, war einfach nur seiner Zeit oft voraus. Was Ernst fehlte, war wohl – wie man heute sagen würde – eine gute Kommunikation in weit verzweigte Teile der Clubfamilie.
Mit Klebewirkung
Erst vor wenigen Wochen, Anfang 2026 traf sich unsere 80er-Jahre-Trainingsgruppe im DRC. Darunter zwei ehemalige DRC-Präsidenten, Oliver Frese und Uwe Maerz, sowie Katrin Licker, die fast 20 Jahre die finanziellen Geschicke des DRC leitete. Natürlich guckten wir uns auch die Fotos vom Jubiläum und vom Jubiläumsball 1984 an. Das war damals DAS große Ereignis für uns; der erste Tanzball, den diejenigen, die ihn erlebten, nie vergessen werden. Ein markantes Ereignis, das mithalf, die damalige Clubfamilie zu vereinen, mit ungeheurer Klebewirkung für die junge Generation  – bis heute.

Präsident mit Weitblick
Als der mehr als nur sprichwörtliche Zeitgeist Anfang der 1980er Jahre ein Geschlechter- und generationsübergreifendes Miteinander noch sehr und den Leistungssport sogar schon wieder verpönte, in der Folge Mitgliederzahlen bröckelten und ein Clubleben nur mühsam zu organisieren war, hielt Ernst mit ungewöhnlichen Ideen, Innovationen und mutigen Entscheidungen dagegen. Als die „Kriegs- und Aufbau-Generation“ des DRC „wegstarb“ oder sich konsumgelangweilt abwendete, baute Ernst mit einer Frauen-Abteilung den Club mit um, hielt den Leistungsgedanken nicht nur hoch, sondern richtete den Blick der jüngeren Generation darauf. Als die Mäzene im DRC weniger wurden, schaute sich Ernst nach neuen Formen von Einnahmequellen um. So ließ er die schon erwähnte Kegelbahn bauen; damals hoch umstritten, ein gutes Vierteljahrhundert später plötzlich ein Solitär in ganz Linden und zeitweise sogar die „Cash Cow“ unserer Gastronomie.
Impulsgeber für Digitalisierung
Mitgliederbindung – ein neues Wort im DRC, eingeführt durch Ernst: Etwa mit Berufsberatung für die Leistungssportler*innen. Er knüpfte im unmittelbaren Gespräch mit den Mitgliedern Verbindungen, spann Netzwerke, stellte Kontakte her, war ein Kümmerer. Nach seiner Präsidenten-Amtszeit im DRC beriet er in den 1990ern den damaligen DRC-Vorstand bei der Einführung von EDV-Systemen bei der Mitgliederverwaltung und co-finanzierte sie privat mit und dann als Vorsitzender des DRC-Förderkreises, der damals noch Altherrenschaft hieß. Wobei das Wort „beriet“ wahrlich zu kurz greift: Denn Ernst beriet nicht nur, er drängte wieder einmal förmlich darauf, den DRC zu modernisieren. Er mischte sich damit ein ins „laufende Vorstandsgeschäft“. Einige empfanden das als „Affront“. Heute wissen wir, dass ohne solche Impulsgeber sämtliche ehrenamtliche Arbeit jäh erstickt wäre damals unter einem Berg von Aktenordnern, heute im Zeitalter der Digitalisierung unter analoger PC-Technik aus der Steinzeit
Engagement im DRV
Ernst blickte gern „über den Tellerrand“ hinaus, verglich Sport- und Wirtschaftsadministrationen, analysierte, schaute ab bei anderen. Das Rad musste man nicht neu erfinden. Was andere Sport- und Wirtschaftslenker anderswo vergleichbar besser machten, konnte man getrost übernehmen. Im Deutschen Ruderverband war er zunächst als Rechnungsprüfer und dann in den Jahren 1995 bis 2000 Jahre als Vorstand Inneres, Zukunft und Vereine engagiert, wurde dann für kurze Zeit sogar als Finanzvorsitzender ins DRV-Präsidium berufen.
Comeback im DRC-Vorstand
Begeistert hat mich Ernst durch seinen Einsatz und seine Unterstützung als „Vorstandskollege“: Denn Ernst wurde in den Jahren 2012 bis 2014 wieder DRC-Finanzvorsitzender. Er sprang auf Bitten unseres damaligen DRC-Präsidenten Uwe Maerz im Vorstand ein. Ex-Weltmeister Uwe, Kenner des Leistungsprinzips, Mitglied der oben erwähnten Trainingsgruppe, 1984 begeisterter Jubiläumsball-Besucher, sprach Ernst Hilfe suchend an, weil sich niemand für diesen Posten des Finanzchefs fand. Der war zu diesem Zeitpunkt mit weit über 70 Jahren längst im Ruhestand. Er hätte es wahrlich nicht nötig gehabt, sich erneut im DRC-Vorstand zu exponieren, mit Vorstandskollegen, die teils mehr als die Hälfte an Lebensalter jünger waren. Aber Ernst ließ  seinen Grußworten von 1984 Taten folgen und kam zurück in den Vorstand. Leistung und Verantwortung waren für ihn die beiden Seiten derselben Medaille.
So arbeitete Ernst noch einmal zwei Jahre im Vorstand konsequent mit, half, wo er konnte, durch seine Erfahrungen, gab Tipps, Hinweise und ordnete scheinbar unbedeutende Sachverhallte „ins Große und Ganze“ ein. Als es im Bootshaus 2012 brannte, war er einer der finanziellen Feuerlöscher und Schadensanierer. Nie hat Ernst vom DRC oder seinen Mitgliedern etwas für sich gefordert. Immer hat er Angebote, Ideen und oftmals kluge Ratschläge unterbreitet.
Wir verabschieden uns von einem großen Ehrenpräsidenten, dem der DRC sehr viel zu verdanken hat.
Christian Held

DRC-Sportvorsitzender 2004 bis 2023


Der letzte Auftritt von Ernst Zumach am 9. März 2019 bei der Verlehung der Goldenen DRV-Ehrennadel an Hans-Jürgen Kaase (Mitte) mit dem damaligen DRC-Präsidenten Robin Aden.
Fotos: Cathrin Boeckler

Zwei DRC-Ehrenpräsidenten im Januar 2023 auf einem Foto: Ernst Zumbach und Gerd Weingardt.

Foto: Julius Peschel

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