Trauer um Heinz Mußmann – wir haben einen ganz Großen verloren


Wir trauen um unseren Olympia-Ruderer und unser Ehrenmitglied Heinz Mußmann, der am vergangenen Dienstag im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Mit Heinz Mußmann verliert die DRC-Familie eine herausragende Sportler-Persönlichkeit, ein langjähriges und verdientes Mitglied, das mit Leidenschaft und Begeisterung über Jahrzehnte hinweg im Club und für den Rudersport engagiert war. Und wir verlieren einen lieben Menschen, der sich mit seiner warmherzigen, besonnenen und sachlichen Art stets um das Miteinander im Bootshaus eingesetzt hat. In seiner Zeit als Vorstandsmitglied hat Heinz wesentliche Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des DRC gestellt, dem Leistungssport viele wichtige Impulse gegeben und Maßstäbe bei der Förderung des Spitzensports gesetzt. Wir sind Heinz unendlich dankbar für sein Engagement, werden ihn sehr vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Mit unseren Gedanken sind wir bei seiner Frau Ute und allen Angehörigen.
Mit dem Rudern begonnen hatte Heinz in der Schülerruderriege der Werner-von Siemens-Schule. Bereits bei seinem Eintritt in den DRC im Jahr 1963 als 18-Jähriger galt er aufgrund seiner stattlichen Körpergröße von 1,95 Meter als talentierter „Ruderhühne“. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: Noch im selben Jahr wurde Heinz mit dem legendären DRC-Achter Jugendmeister (damals „Jungbester“ genannt), 1964 U23-Meister (damals „Eichkranzsieger“ genannt) im Achter, 1966 Deutscher Meister im Vierer mit Steuermann, 1971 internationaler Deutscher Meister im Zweier mit Steuermann zusammen mit Bernd „Goofy“ Krause von der Rugm. Angaria. Ein Jahr später wiederholte Heinz diesen Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften in der manchmal als „Wasser-Taxi“ bezeichneten Bootsklasse als reines DRC-Boot gemeinsam mit  Wolfgang Hottenrott und Steuermann Heinz Farin. Bei Olympia in München trat Heinz dann erneut mit „Goofy“ Krause im Zweier-mit an und verpasste im Finale die Bronze-Medaille knapp mit mit nur 16-Hunderstel-Sekunden Rückstand.
Nach seiner leistungssportlichen Karriere blieb Heinz dem Sportbetrieb im DRC treu, ruderte mit auf zahlreichen Wanderfahren, organisierte Ausflüge und Radtouren. Als zu Beginn der 1990er-Jahre das Leistungsrudern in Hannover einen steilen Aufwärtstrend erlebte, etwa durch die sportlichen Erfolge von Frank Richter und Roland Baar (HRC) mit dem Deutschland-Achter, kümmerte sich Heinz um bessere Trainingsbedingungen für die hiesigen Top-Athleten. Als Stützpunkleiter trieb er mit Nachdruck den Bau eines provisorischen Trainingsbootshauses auf dem ehemaligen Conti-Gelände am Verbindungs-Kanal in Limmer voran, das schließlich 1994 bezogen werden konnte. Dieses Leistungszentrum löste ein „wildes Feldlager unter freiem Himmel“ beim Kanu-Club Limmer ab, war der Vorläufer und zugleich Basis für den späteren Bundesstützpunkt am Kanal in Ahlem, dessen heutiges Bootshaus vierzehn Jahre später eingeweiht wurde.
Als DRC-Leistungssportwart und späterer DRC-Sportvorsitzender bis 2004 war Heinz sowohl DRC-intern als auch extern ein umtriebiger Organisator und Netzwerker, immer zum Vorteil unserer Leistungssportler. Mit viel Zeiteinsatz, Herz und Hand setzte er sich vor allem für unsere damaligen Leichtgewichts-Asse wie z.B. Uwe Maerz, Matthias Edeler und Michelle Darvill ein, deren Gewichts-Disziplin bis 1996 nicht olympisch und bis dahin kaum öffentlich gefördert war. Eifrig sammelte er Spenden, Sponsoren und Zuschüsse ein, um für die Aktiven Trainingslager und neue Boote zu finanzieren. Ohne den damaligen Einsatz von Heinz wäre der Leistungssportbetrieb in den 1990er Jahren im DRC zum Erliegen und vielleicht nie mehr auf die Füße gekommen.
Ebenso vorausschauend und nachhaltig steuerte Heinz den DRC-Sportbetrieb am Traditionsstandort Ihme in eine erfolgreiche Zukunft: Mit dem Bau unserer neuen Rennboothalle und dem Umbau einer der bisherigen alten Bootshallen zum Fitnessraum eröffnete er dem DRC ganz neue Perspektiven sowohl für den Leistungs-, als auch auch für den Breiten- und Fitnesssport. Im Rückblick fußen enorme Mitgliederzuwächse, ein ausdifferenzierter Bootspark sowie die sportlichen Erfolge der 2010er und 2020er Jahre auf Heinz‘ damaligem Weitblick.

Mehr als zehn Jahre war Heinz bis 2022 Vorsitzender des DRC-Förderkreises, den er nach bei Amtsantritt noch als „Altherrenschaft“ übernahm, bald aber mit einem moderneren Namen umfirmierte und sensibel umgestaltete. Mit seinem Traditionsbewusstsein und gleichzeitig seinem guten Gespür für notwendige Erneuerungen setzte Heinz auch im Förderkreis behutsame, aber bis heute wirkende Akzente. Mit dem Bau des zweiten DRC-Stegs an der Ihme und der Sanierung des Ruderbeckens trieb er zwei weitere wichtige Projekte voran, von denen der Sportbetrieb noch lange profitieren wird. Mit seiner akribischen Erarbeitung der Festschrift „rudern/fördern“ zum 100. Jubiläum des Förderkreises mit einer nahezu lückenlosen Aufarbeitung der Geschichte des hannoverschen Rudersports schaffte er sich und seinem DRC im Jahr 2021 schließlich mehr als nur sprichwörtlich ein kleines Denkmal.
Mit Heinz haben wir als Clubfamilie einen ganz Großen verloren. Zu seinen Ehren weht die Clubflagge vor unserem Bootshaus an der Ihme auf Halbmast.
Julius Peschel      Tobias Cantz
DRC-Präsident     Vorsitzender Förderkreis

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