Nicht alle dabei, Oliver Zeidler hat frei

Deutschlands beste Sportler, so heißt es in der Eigenwerbung, treten bei den Finals in den kommenden Tagen in Hannover an. Aber stimmt das wirklich? Deutschlands allerbester Ruderer ist zum Beispiel nicht dabei: Olympiasieger Oliver Zeidler (Frankfurt) fehlt Freitag und Sonnabend bei den Sprintrennen über die 350-Meter-Strecke auf dem Maschsee. Und mit Felix Heinrich (Braunschweig) ist ein weiterer Top-Skuller aus dem Doppelvierer des Nationalteam abwesend.
Aber warum ist das Feld der Einer-Fahrer so dünn? Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Zum einen findet parallel zu den Finals die U23-WM in Duisburg statt, sodass viele deutsche  Nachwuchstalente anderweitig beschäftigt sind. Zum anderen steht für die A-Nationalmannschaft nur eine Woche nach dem Sprint-Spektakel auf Hannovers Binnensee die EM in Varese an. Und dort geht es für die Athlet*innen bekanntlich über die olympische 2.000-Meter-Distanz. Dafür sind Sprints über die extrem kurzen 350 Meter keine optimale Vorbereitung. „Wir fahren deshalb die Finals praktisch aus dem Doppelvierer-Training heraus“, sagt unsere Top-Ruderin Frauke Hundeling, die bei den Finals im Einer und Achter antritt, in Varese dann im Doppelvierer um EM-Medaillen kämpft. Für „Allrounderin“ Frauke ist das kein Problem: Sie kann Skull und Riemen rudern, startet in Varese zusätzlich auch im Mixed-Achter. Aber eine optimale EM-Vorbereitung sieht für viele anders aus, weshalb Zeidler & Co. die Finals wohl schwänzen. Anders bei den Frauen: Im Einer geht in Hannover die komplette deutsche Elite an den Sprint-Start, darunter auch Alexandra Föster (Meschede), derzeit die schnellte Deutsche im Skiff, sowie Fraukes komplettes Doppelvierer-Team mit Johanna Debus (Offenbach), Juliane Farralisch (Frankfurt) und Maren Völz (Potsdam).
Ganz aus der Affäre ziehen, konnte sich der Deutsche Ruderverband trotz der Terminkollisionen bei den Finals mit U23-WM und EM nicht: ARD und ZDF, die mächtigen Medien-Player hinter den Kulissen der Finals, verlangen Top-Sportler*innen am Start in den Finals-Rennen. Sonst übertragen die Sender Rudern nicht.
Hier die Startlisten für die Rennen auf dem Maschsee.

Der deutsche EM-Doppelvierer – und sie sind alle Freitagvormittag im Einer bei den Finals in Hannover zu sehen (v.r.): Frauke auf Schlag, Johanna Debus (Offenbach), Juliane Farralisch (Frankfurt) und Maren Völz (Potsdam).
(Foto: Detlev Seyb)

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